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Querschnittzentren finden: DMGP-Liste

Querschnittzentren und Spezialkliniken finden: So nutzt du die DMGP-Liste, prüfst passende Schwerpunkte und bereitest Überweisung, Reha, Zweitmeinung und Nachsorge vor.

(aktualisiert: ) 13 Min. Lesezeit
Inhalt dieses Artikels

TL;DR — Das Wichtigste in 30 Sekunden

FrageAntwort
Was ist ein Querschnittzentrum?Eine spezialisierte Einrichtung für Menschen mit Schädigung des Rückenmarks, oft mit interdisziplinärer Akutbehandlung, Reha und Nachsorge.
Wo finde ich Zentren?Die DMGP führt eine Liste von Behandlungszentren in Deutschland, Österreich und der Schweiz.
Wie nutze ich die DMGP-Liste?Als Startpunkt, um passende Zentren nach Region, Schwerpunkt und medizinischer Fragestellung zu prüfen.
Wer zahlt Behandlung/Reha?Je nach Situation Krankenkasse, Rentenversicherung, Unfallversicherung oder anderer Reha-Träger. Medizinische Reha ist in § 40 SGB V geregelt.
Nächster SchrittArztbrief, Entlassbericht und konkrete Fragestellung sammeln. Dann Klinik/Sozialdienst/Kostenträger gezielt anfragen.

Akut wichtig: Neue Lähmungen, Taubheit, Blasen-/Darmstörungen, Atemprobleme oder plötzliche starke Verschlechterung sind kein Recherche-Thema. Ruf 112 oder lass dich sofort medizinisch abklären.


Inhaltsverzeichnis

  1. Wann ein Querschnittzentrum sinnvoll ist
  2. DMGP-Liste: Zentren in Deutschland
  3. So wählst du ein passendes Zentrum aus
  4. Wie du Kontakt aufnimmst
  5. Kosten, Reha und Kostenträger
  6. Was du vorbereitest
  7. Nachsorge nicht vergessen
  8. FAQ
  9. Quellen

1. Wann ein Querschnittzentrum sinnvoll ist

Ein Querschnittzentrum kann relevant sein, wenn eine dieser Situationen vorliegt:

  • frische oder ältere Querschnittlähmung,
  • Rückenmarksschädigung nach Unfall, Entzündung, Tumor oder Operation,
  • cervikale Myelopathie mit deutlichen neurologischen Ausfällen,
  • Spastik, die Alltag, Schlaf, Pflege oder Transfers erschwert,
  • neurogene Blasen- oder Darmprobleme,
  • Druckgeschwüre oder hohes Dekubitusrisiko,
  • Atemprobleme bei hoher Lähmung,
  • schwere Mobilitäts- und Hilfsmittelfragen,
  • Wunsch nach Zweitmeinung bei OP, Reha oder Hilfsmitteln,
  • langfristige Nachsorge nach Erstrehabilitation.

Wenn es vor allem um Pflegegrad, MD-Begutachtung und Leistungen geht, brauchst du zusätzlich unseren allgemeinen Guide: → Pflegegrad beantragen: Anleitung 2026.

Wenn es um GdB, Merkzeichen oder Schwerbehindertenausweis geht, starte hier: → Behindertenausweis beantragen.


2. DMGP-Liste: Zentren in Deutschland

Die DMGP-Behandlungszentren sind auf der DMGP-Seite nach Deutschland, Österreich und Schweiz gelistet. Die Liste kann sich ändern. Prüfe deshalb vor jedem Kontakt die Originalseite.

Nach der DMGP-Liste gehören in Deutschland unter anderem diese Zentren dazu:

RegionZentren aus der DMGP-Liste
Nord / NordostBG Klinikum Hamburg; BDH-Klinik Greifswald; Kliniken Beelitz; VITREA Klinik Brandenburg an der Havel; BG Klinikum Unfallkrankenhaus Berlin
WestBG Universitätsklinikum Bergmannsheil Bochum; BG Klinikum Duisburg; Gemeinschaftskrankenhaus Herdecke; Gemeinschaftsklinikum Mittelrhein Koblenz; Neurologisches Rehabilitationszentrum Godeshöhe Bonn
MitteBG Klinik Frankfurt; Orthopädische Klinik Hessisch Lichtenau; Werner Wicker Klinik Bad Wildungen
SüdwestBG Unfallklinik Ludwigshafen; BG Klinik Tübingen; Universitätsklinikum Heidelberg; SRH Klinikum Karlsbad-Langensteinbach; Orthopädische Klinik Markgröningen; RKU Ulm
Bayern / SüdostBG Unfallklinik Murnau; Klinik Hohe Warte Bayreuth; VAMED Klinik Kipfenberg; Krankenhaus Rummelsberg; Rudolf Presl Klinik Bavaria Kreischa
Ost / Thüringen / Sachsen-AnhaltBG Kliniken Bergmannstrost Halle; Zentralklinik Bad Berka; MEDIAN Klinik Bad Tennstedt
WeitereHeinrich-Sommer-Klinik im Berufsförderungswerk Bad Wildbad

Diese Tabelle ersetzt nicht die DMGP-Seite. Sie soll dir helfen, die Namen und Regionen schneller zu sortieren.


3. So wählst du ein passendes Zentrum aus

Kläre zuerst, in welcher Phase die betroffene Person gerade ist und welches Problem dringend gelöst werden muss.

1. Akut oder langfristig?

Bei akuter neuer Lähmung, rascher Verschlechterung oder Verdacht auf Rückenmarkskompression zählt schnelle medizinische Versorgung. Das ist ein Notfall- oder Facharztweg, nicht zuerst eine freie Klinikwahl.

Bei länger bestehender Querschnittlähmung geht es oft um Nachsorge, Hilfsmittel, Spastik, Blase, Darm, Schmerzen, Haut oder Teilhabe.

2. Was ist das Hauptproblem?

HauptproblemWichtige Frage an das Zentrum
SpastikGibt es Erfahrung mit medikamentöser Einstellung, Botulinumtoxin, Pumpen, Physio und Hilfsmittelanpassung?
Blase / DarmGibt es Neuro-Urologie oder strukturierte Darmberatung?
DekubitusGibt es Erfahrung mit querschnittspezifischer Wundbehandlung und Sitzdruck-/Lagerungsfragen?
Gehen / Stehen / TransfersGibt es Physio, Orthesen, Rollstuhl- und Transfertraining?
Beatmung / AtemproblemeGibt es Erfahrung mit akuter und chronischer Atemunterstützung bei Querschnittlähmung?
HilfsmittelGibt es technische Orthopädie, Rollstuhlversorgung, Sitzschale, Umfeldberatung?
AngehörigeWerden Angehörige in Pflege, Transfers und Alltag einbezogen?

3. Stationär, ambulant oder Zweitmeinung?

Nicht jeder Kontakt bedeutet stationäre Aufnahme. Manchmal brauchst du:

  • ambulante Sprechstunde,
  • Zweitmeinung,
  • Reha-Aufnahme,
  • Akutverlegung,
  • Nachsorgekontrolle,
  • Hilfsmittel- oder Spastiksprechstunde.

Formuliere die Anfrage deshalb konkret.


4. Wie du Kontakt aufnimmst

Der beste erste Weg hängt von der Situation ab.

SituationSinnvoller Weg
Person liegt im KrankenhausSozialdienst / behandelnde Station bittet um Verlegung oder Reha-Anmeldung.
Person ist zu Hause, Zustand stabilHausarzt, Neurologe, Orthopäde oder Reha-Arzt stellt Überweisung/Einweisung oder Reha-Antrag in die Wege.
Es geht um Reha nach KrankenhausKrankenhaus-Sozialdienst früh einbeziehen.
Es geht um ZweitmeinungFacharztbrief, Bildgebung und konkrete Frage an Ambulanz/Sprechstunde schicken.
Es geht um KostenklärungKostenträger schriftlich einbeziehen, bevor Termine platzen.

Ein kurzer Anfragetext kann so aussehen:

“Wir suchen eine Einschätzung für [Problem: z.B. Spastik, Myelopathie, Querschnittlähmung nach Unfall, neurogene Blase]. Vorhanden sind Entlassbericht, MRT-Befund, Medikamentenplan und Pflegegutachten. Können Sie mitteilen, ob eine ambulante Vorstellung, Reha-Anmeldung oder andere Zuweisung sinnvoll ist und welche Unterlagen Sie benötigen?”

Wenn die behandelnde Klinik abwiegelt, aber du das Gefühl hast, dass eine Zweitmeinung nötig ist, lass dir Befunde, Bildgebung und Entlassbericht geben. Du musst nicht alles mündlich klären.


5. Kosten, Reha und Kostenträger

Medizinische Behandlung und Reha laufen nicht alle über denselben Weg.

Krankenhausbehandlung

Krankenhausbehandlung ist in § 39 SGB V geregelt. Sie kommt in Betracht, wenn Krankenhausbehandlung medizinisch erforderlich ist und das Behandlungsziel anders nicht erreicht werden kann.

Medizinische Rehabilitation

Zur Krankenbehandlung gehören auch Leistungen zur medizinischen Rehabilitation (§ 27 Abs. 1 SGB V). Die medizinische Reha der gesetzlichen Krankenversicherung steht in § 40 SGB V.

Es kann aber auch die Rentenversicherung, Unfallversicherung oder ein anderer Reha-Träger zuständig sein. Das hängt davon ab, ob es um Erwerbsfähigkeit, Unfallfolgen, Krankheit, Teilhabe oder Pflegebedürftigkeit geht.

Wunsch- und Wahlrecht

Bei Reha spielt das Wunsch- und Wahlrecht eine Rolle. In § 8 SGB IX geht es darum, berechtigten Wünschen der Leistungsberechtigten zu entsprechen. Das heißt nicht, dass jede Wunschklinik automatisch bewilligt wird. Aber du kannst begründen, warum ein spezialisiertes Querschnittzentrum medizinisch sinnvoll ist.

Wenn keine normale Krankenversicherung besteht

Wenn Duldung, AsylbLG oder fehlende Krankenversicherung eine Rolle spielen, wird es komplexer. Dann lies zusätzlich: → Reha ohne Krankenversicherung.


6. Was du vorbereitest

Bevor du ein Zentrum anschreibst oder der Arzt eine Reha beantragt, sammle:

  • aktueller Arztbrief,
  • Krankenhaus- oder Reha-Entlassbericht,
  • MRT-/CT-Befund und möglichst Bild-CD oder Downloadzugang,
  • OP-Bericht, falls vorhanden,
  • Medikamentenplan,
  • Hilfsmittelliste,
  • Pflegegrad-Bescheid und MD-Gutachten,
  • aktueller Rollstuhl-/Orthesen-/Lagerungsbedarf,
  • Beschreibung der Hauptprobleme im Alltag,
  • Kontaktdaten der behandelnden Ärzte,
  • Versicherung/Kostenträger/Aktenzeichen.

Schreibe zusätzlich eine kurze Prioritätenliste:

  1. Was ist das dringendste Problem?
  2. Was soll sich durch Behandlung oder Reha konkret verbessern?
  3. Was passiert, wenn nichts gemacht wird?
  4. Welche Versorgung zu Hause ist realistisch?

Das hilft Ärzten, Sozialdienst und Kostenträgern mehr als ein unstrukturierter Ordner mit 80 Seiten.


7. Nachsorge nicht vergessen

Querschnittlähmung ist nicht mit der ersten Reha erledigt.

Die AWMF-Leitlinie zur lebenslangen Nachsorge beschreibt Querschnittlähmung als komplexes Lähmungsbild, bei dem motorische, sensible und vegetative Funktionen betroffen sein können. Sie betont regelmäßige ambulante Verlaufskontrollen nach der Erstrehabilitation und im Langzeitverlauf.

Für Angehörige heißt das:

  • Nachsorge-Termine nicht als “optional” behandeln.
  • Früh fragen, wer Blase, Darm, Haut, Atmung, Schmerzen und Hilfsmittel langfristig kontrolliert.
  • Veränderungen dokumentieren: mehr Spastik, neue Schmerzen, schlechtere Transfers, Druckstellen, häufigere Infekte.
  • Bei Verschlechterung nicht monatelang warten.

Gerade Familien schauen oft nur auf Pflegegrad und Hilfsmittel. Das ist verständlich. Aber bei Querschnitt und Myelopathie ist spezialisierte Nachsorge oft der Unterschied zwischen stabiler Versorgung und wiederholten Krisen.


FAQ

Ist jedes DMGP-Zentrum automatisch die richtige Klinik?

Nein. Die DMGP-Liste ist ein guter Startpunkt, aber kein persönlicher Behandlungsplan. Entscheidend ist dein konkretes Problem und die Frage, ob das Zentrum dafür die passende Sprechstunde, Station oder Reha-Struktur hat.

Kann ich mich selbst dort anmelden?

Manchmal kannst du eine Ambulanz direkt kontaktieren. Für stationäre Behandlung oder Reha brauchst du in der Regel ärztliche Unterlagen, Zuweisung und Kostenzusage. Frag das Zentrum, welche Unterlagen und welcher Weg nötig sind.

Was ist bei Myelopathie anders als bei Querschnittlähmung?

Eine Myelopathie ist eine Schädigung oder Erkrankung des Rückenmarks. Sie kann querschnittähnliche Symptome machen, muss aber nicht identisch mit einer vollständigen Querschnittlähmung sein. Für Klinik- und Reha-Fragen zählt, welche neurologischen Ausfälle und Alltagsprobleme konkret vorliegen.

Was mache ich, wenn der Hausarzt keinen Reha-Antrag stellen will?

Bitte um eine fachärztliche Einschätzung, zum Beispiel Neurologie, Neurochirurgie, Orthopädie oder Rehabilitationsmedizin. Wenn die Person im Krankenhaus ist, sprich früh mit dem Sozialdienst.

Kann ein Querschnittzentrum beim Pflegegrad helfen?

Nicht direkt im Sinne einer Antragstellung. Aber Berichte aus spezialisierten Zentren können sehr hilfreich sein, weil sie Funktionsausfälle, Hilfsmittelbedarf, Transfers, Blase, Darm, Haut und Pflegebedarf fachlich beschreiben.

Ist eine weit entfernte Spezialklinik realistisch?

Manchmal ja, wenn die Spezialisierung medizinisch gut begründet ist. Gleichzeitig musst du Transport, Angehörigenbesuche, Nachsorge und Kostenträger realistisch mitdenken. Die nächstgelegene Klinik ist nicht immer die passendste, aber Entfernung ist ein praktischer Faktor.


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Quellen


Dieser Ratgeber ersetzt keine ärztliche Diagnose, keine Therapieentscheidung und keine Rechtsberatung. Bei akuter Verschlechterung, neuer Lähmung, Atemproblemen oder Blasen-/Darmnotfällen bitte sofort medizinische Hilfe holen.

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